Univ.Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann

Philosoph und Gründer des Philosophicum Lech

Der bekannteste Philosoph Österreichs ist eine herausragende intellektuelle Stimme in den öffentlichen Debatten des Landes zu allen relevanten Themen. Liessmann ist sozusagen der Gegenentwurf zum Elfenbeinturm, ein Wissenschafter, der die Lebenspraxis und die gesellschaftliche Wirklichkeit denkerisch durchdringt und vor keinem Tabu zurückschreckt. Bildung ist dem Gründer des Philosophicums Lech ein besonderes Anliegen. In seinen Bestsellern „Theorie der Unbildung – die Irrtümer der Wissensgesellschaft“ und „Geisterstunde – die Praxis der Unbildung“ reflektiert Liessmann seine Fundamentalkritik an der ökonomischen Instrumentalisierung der Bildung, am Verlust des klassischen, traditionellen Bildungskanons und an einer verdummenden Digitalisierung: „Wischen statt Wissen.“ In seinen brillant formulierten Vorträgen und als Diskutant ist Liessmann das Maß für Exzellenz. Vom überzogen korrekten Sprachfeminismus bis zur Polemik gegen das Autofahren als Alltagsfaschismus reicht sein breites Spektrum.

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Das Spezielle an der Philosophie ist, dass es nichts Spezielles gibt. Wer den Dingen auf den Grund geht, konfrontiert sich und sein Publikum mit einem Universum an Daseins-Deutungen. Das ist die Welt von Konrad Paul Liessmann. Die große denkerische Tiefe und Breite ist für den Wiener Philosophie-Professor die Basis seiner wissenschaftlichen Arbeit, aber darüber hinaus auch das Rüstzeug für viele essayistische und feuilletonistische Grenzüberschreitungen. Denn Liessmann befasst sich nicht nur mit den großen Grundfragen seines Forschungsgegenstandes wie Erkenntnis, Ethik oder menschliche Existenz, sondern er interveniert auch in den aktuellen gesellschaftlichen Diskursen, die er immer wieder intellektuell fundiert.
Ein Zitat aus dem Rheinischen Merkur über sein Buch „Theorie der Unbildung – die Irrtümer der Wissensgesellschaft“ als Beispiel: „Eine furiose, hochintelligente Polemik, in kristallklarer, reich mit hinreißend gemeinen Bonmots durchsetzter Sprache“. In der Tat: Scharfsinnig, sprachmächtig und pointiert analysiert Liessmann den Zeitgeist, die Politik, die Kunst, den Kitsch und eine Fülle anderer heutiger Phänomene. 2012 erschien "Lob der Grenze - Kritik der politischen Unterscheidungskraft". Die Grundlagen der Philosophie, Kunst und Ästhetik, Kulturphilosophie, Gesellschafts- und Medientheorie, Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts und die großen Philosophen von Nietzsche bis Kjerkegaard – das waren seine ersten großen Themen an der Wiener Universität, wo er studierte, promovierte und sich 1989 habilitierte. Weitere Werke: "Die Streitschrift", "Geisterstunde", "Die Praxis der Unbildung" und gemeinsam mit Michal Köhlmeier "Wer hat Dir gesagt das Du nackt bist!". Literarisch mythologische Reflexionen.
Aber Professor Liessmann – Vizedekan der Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft – wollte mehr wirken und bewirken, wollte Philosophie popularisieren, nicht selten zum Missvergnügen mancher Einwohner des Elfenbeinturms. Der Erfolg gibt dem gebürtigen Villacher recht. Liessmanns Bücher sind nachgefragter als üblicherweise wissenschaftliche Literatur, Liessmanns Artikel in Zeitungen und Magazinen finden große Beachtung. Liessmann hat mit dem Philosophicum Lech eine enorme auch mediale und internationale Breitenwirkung erzielt und mit einer vierteiligen Radio Ö1-Sendereihe und CD-Edition mit dem Titel „Denken und Leben“ beste Werbung gemacht für die Einsicht, dass Reflexion, dass das Suchen und Erkennen von Zusammenhängen jeden Menschen bereichern kann. 2006 ist er dafür mit dem Titel „Wissenschafter des Jahres“ ausgezeichnet worden. Schon zehn Jahre davor hat er den Staatspreis für Kulturpublizistik erhalten.
„Einen Moment der Freiheit gegenüber den Diktaten des Zeitgeistes“ will er verteidigen, man dürfe nicht „alles in die ökonomischen Verwertungsstrukturen hineinpressen“, er plädiert für ein „neuhumanistisches Ideal der Selbstformung“, Wissen dürfe nicht bloß Zwecken dienen, sondern müsse den großen Kulturen verpflichtet bleiben, ist Liessmanns „Credo“.

Themengebiete

Ethik und Gesellschaft, Kultur, Politik, Wissenschaft und Zukunft

Sprachen

Deutsch

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