Univ.Prof. Dr. Rudolf Burger

Philosoph

Er ist der Stachel im Fleisch von linker Selbstzufriedenheit und progressivem Correctness-Diktat: Rudolf Burger – Philosoph, Citoyen und Großmeister der provokanten Intervention. Burger seziert und analysiert politische und gesellschaftliche Entwicklungen und Fehlentwicklungen in Büchern, Essays, Medienauftritten und in seinen geschliffen formulierten Vorträgen. Wenn Sie einen Referenten zu grundsätzlichen Zeitfragen suchen, der aufregt: Hier ist er.

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Rudolf Burger ist Physiker, Soziologe, Philosoph und Historiker, aber der emeritierte Professor der Akademie für Angewandte Kunst in Wien ist vor allem der Wortführer jenes österreichischen Intellektualismus, der sich nicht links definiert. Burger ist ein autonomer Geist, der in der vielzitierten „Jagdgesellschaft“ des „politisch korrekten“ Mainstreams nie mitreiten wollte und dessen Arbeitsweise als „Aufklärung durch Provokation“ beschrieben werden könnte. Durchschauen, entlarven, Vorurteile abbauen ist immer das Ziel seiner öffentlichen Einmischung, die er mit gedanklicher Schärfe und treffender Sprache vorträgt.

Politische Debatten in Österreich begleitet Rudolf Burger, seit er in den frühen Neunzigerjahren die hastige Anerkennungspolitik Wiens in der Balkan-Sezession als „kriegsgeile österreichische Außenpolitik“ brandmarkte. Zum „Wende-Philosophen“ wurde er für seine Gegner, als er im Jahr 2000 die ÖVP-FPÖ-Koalition nicht zum politischen Sünden- und Rückfall stilisieren wollte und die Proteste dagegen - bis hin zu den EU-Sanktionen – einen „antifaschistischen Karneval“ nannte.

Es sei eben ein „bis zur Immobilität starres und moralisch zutiefst korruptes Proporzsystem erstmals in der Zweiten Republik in Frage gestellt worden“. Burger legte noch nach mit dem Essay „Die Irrtümer der Gedenkpolitik - ein Plädoyer für das Vergessen“, in dem er historisch nachwies, dass Gedenken oft Rache, Revanche und nationalistische Vergeltung zur Folge hatte – „hätten die Serben doch die Schlacht am Amselfeld vergessen!“ – und die These vertrat, dass Geschichtsschreibung moralische und politische Motive hat. Sein Gegen-Entwurf: Historiografie, also Historisierung, brachte die Vertreter der Erinnerungskultur noch mehr auf die Palme, zumal Burger forderte, die „politische Erpressung der Vergangenheit muss ein Ende haben“.

Er verteidigte den jüdischen Autor des Buches „Die Holocaust-Industrie“, Norman G. Finkelstein, und sagte in einem Interview „In den USA ist die Israel-Lobby sehr mächtig geworden, die politisch von den moralischen Zinsen des Holocaust lebt“. Kritisch hat sich Professor Rudolf Burger immer wieder auch mit dem aktuellen Kulturbetrieb auseinandergesetzt, dem er Kommerzialisierung, Eitelkeit und Verlogenheit vorwarf – schon seine Antrittsvorlesung an der „Angewandten“ hatte den provokanten Titel: „Kultur ist keine Kunst“.
Rudolf Burger hat seine akademische Laufbahn mit dem Doktor in Technischer Physik begonnen, arbeitete am Wiener Boltzmann-Institut für Festkörperphysik, dann im Planungsstab des deutschen Forschungsministeriums, dann leitete er die Abteilung für sozial- und geisteswissenschaftliche Forschung im Wiener Wissenschaftsministerium. Er habilitierte sich in Wissenschaftssoziologie und wurde 1990 Professor für Philosophie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, wo er auch fünf Jahre Rektor war.

Seine Haupt-Forschungsgebiete sind Ästhetik und politische Philosophie. Die letzten seiner zahlreichen Bücher sind „Jenseits der Linie. Ausgewählte philosophische Erzählungen“, „Im Namen der Geschichte. Vom Missbrauch der historischen Vernunft“,„Re-Theologisierung der Politik?", "Das Ende des Kulturalismus" und "Der Triumph des Liberalismus. Ein Nachruf!".
Rudolf Burger ist Träger des Staatspreises für Kulturpublizistik.



Themengebiete

Ethik und Gesellschaft, Europa, Kultur, Politik, Wissenschaft und Zukunft

Sprachen

Deutsch

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