Hon.Prof. Dr. Wilfried Stadler

Dozent der WU Wien, ehemaliger Generaldirektor Investkredit

Die Banken sind in der Finanzkrise nicht gerade durch Selbstkritik oder nachdenkliche Reflexion aufgefallen. Man hat eher Stützen kassiert und gemauert. Wilfried Stadler ist da anders. Der Intellektuelle unter den Geldmanagern fordert die Rückbesinnung auf solides Wirtschaften und Ethik statt Gier. Sein Grundtenor passt in die Post-Krisen-Unsicherheit, seine Botschaft weist den Weg, nicht nur für die Banken. Eindrucksvoll auch nachzulesen in seinem aktuellen Buch "Der Markt hat nicht immer recht".

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„Der biblische Tanz um das goldene Kalb hat eine seiner Entsprechungen im unersättlichen Mehr der modernen Kapitalmärkte.“ An diesem Satz ist zweierlei bemerkenswert: Er stammt aus dem Jahr 2005 und er stammt von einem Banker: Dr. Wilfried Stadler, Generaldirektor der Investkredit, hatte lang vor der großen Krise die dunkle Ahnung, dass die Kapitalmärkte gefährlich hasardieren. Wilfried Stadler ist ein atypischer Geldmanager, ein Grundsatzdenker, der die Fundamente unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung hinterfragt, der Ethik in der Wirtschaft fordert, „verantwortete Marktwirtschaft“, wie er es nennt.
„Die Finanzmärkte müssen wieder eine dienende Funktion gegenüber der Realwirtschaft einnehmen.“ Stadler geißelt die „blinde Rating-Gläubigkeit“ der von Europa übernommenen amerikanischen Bilanzierungsregeln und fordert die Suche nach den „systemimmanenten Brandsätzen“. Neukonzeption des Bretton Woods-Konsenses, umfassende Reform von Basel II und Neukonzeption von Basel III mit der Rückbesinnung auf die zentrale Bankenaufgabe der Unternehmensfinanzierung. Stadler: "Es gibt in Europa zuviele Banken mit zu wenig solidem Eigenkapitalsockel."
Doch seine Kritik ist nicht nur global, er nimmt sich auch zu Auswüchsen in Österreich kein Blatt vor den Mund: „Allein der Blick auf meine eigene Branche ist haarsträubend. Hier die überbezahlten, erinnerungs- und ahnungslosen Zocker im Gerichtssaal, dort die Gourmetbanker, bei denen alles erlaubt war, was nicht ausdrücklich verboten ist.“ Beschlagen und wortgewaltig, ist Wilfried Stadler ein gefragter Kolumnist und Diskutant in Medien und auf Podien, er ist aber auch Herausgeber zahlreicher Fachbücher über Wirtschaftsordnung und Finanzierungskultur. Den Kontakt zur Wissenschaft hat er nie verloren und nun schließt sich der Kreis für den ehemaligen Welthandels-Studenten und Doktor der Volkswirtschaftslehre, der zum Honorarprofessor der Wirtschaftsuniversität Wien und zum Dozenten für Wirtschaftspolitik ernannt worden ist.
Eine neue, akademische Herausforderung für den Parade-Intellektuellen der Bankenszene, der 1987 in die Investkredit eingetreten war, 1990 in den Vorstand der Kommunalkredit wechselte, 1995 in den Vorstand der Investkredit Bank. Von 2002 bis 2009 war Stadler Generaldirektor und Vorsitzender des Vorstandes der inzwischen zur Volksbankengruppe gehörenden Investkredit. Stadler hat die frühere Förderbank erfolgreich zur Spezialbank für Unternehmen und Immobilien im erweiterten europäischen Kernmarkt entwickelt.
Stadler ist auch in mehreren Industriegruppen, Unternehmen- und Familienstiftungen in Aufsichtsgremien tätig. Ist Beiratsmitglied eines deutschen Private Equity Fonds und lehrt auch an der Universität Salzburg.

Themengebiete

Ethik und Gesellschaft, Geldwirtschaft und Finanzmarkt, Politik, Wirtschaft

Sprachen

Deutsch, Englisch

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