Madeleine Albright

Außenministerin der USA 1997 – 2001

Von Prag nach Washington, aus der kommunistischen Diktatur ins Machtzentrum der freien Welt: Die amerikanische Diplomatin Madeleine Korbel-Albright, die der demokratische Präsident Bill Clinton zum ersten weiblichen Chef im State Department machte, schildert in ihren Vorträgen ungeschminkt, wie die Außenpolitik der Supermacht wirklich funktioniert: „Die erste Frage lautet immer: Nützt, was wir planen, amerikanischen Interessen?“ Die dreifache Mutter, die als Kind ihre tschechische Heimat verlassen und vor den Nazis flüchten musste, war die „Eiserne Lady“ der amerikanischen Politik - sie stand hinter der NATO-Intervention in Serbien und rechtfertigte den Irak-Krieg. Albright spricht fünf Sprachen, hat mehrere Bücher geschrieben, besitzt eine Strategiefirma und lehrt an der Georgetown School of Foreign Service in Washington.

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Als Madeleine Albright 1997 von Präsident Clinton zur 64. Außenministerin der Vereinigten Staaten ernannt wurde, war sie die erste Frau in diesem Amt in der US-Geschichte, war die mächtigste Frau Amerikas und eine der mächtigsten der ganzen Welt. Der Gipfelpunkt eines beispiellosen Aufstiegs vom Einwandererkind in die Schaltstellen der einzigen Supermacht. Zweimal war die Tochter eines jüdischen Diplomaten aus ihrer Prager Heimat vertrieben worden: 1939 durch die Nazis – die Familie ging ins Londoner Exil – und 1948 durch die Kommunisten. Maria Jana Korbelowa – so ihr Mädchenname - verließ die Tschechoslowakei und emigrierte in die USA. Sie studierte Geschichts-, Rechts- und Staatswissenschaft unter anderem an der Columbia-Universität, engagierte sich in der Demokratischen Partei, beriet Carter, Mondale und Dukakis und wurde 1993 zur amerikanischen UNO-Botschafterin ernannt.
Scharfsinnige Analyse, energisches Handeln und brillante Rhetorik sind die Markenzeichen der „eisernen Lady“ der amerikanischen Politik. Ihr Credo ist glasklar: „Die zentrale außenpolitische Zielsetzung lautet, die Politik anderer Nationen so zu beeinflussen, dass damit den Interessen und Werten der eigenen Nation gedient ist. Die zur Verfügung stehenden Mittel reichen von freundlichen Worten bis zu Marschflugkörpern.“ Geprägt von ihren frühen Erfahrungen mit Diktaturen, kämpfte Albright an vielen Fronten für die Demokratie und es sagt viel, dass ein Kapitel ihrer Autobiografie das römische „Si vis pacem, para bellum“ zitiert - „Wenn du den Frieden willst, rüste zum Krieg“. So war Albright die treibende Kraft hinter der NATO-Intervention in Serbien und rechtfertigte auch das harte Vorgehen gegen den Irak. Andererseits plädierte sie für mehr amerikanisches Engagement beim internationalen Krisenmanagement, bei den Vereinten Nationen und in Klima- und Menschenrechtsfragen und geißelte den Unilateralismus der Bush-Administration.
Berühmt ist die Washingtoner Chefdiplomatin für ihre große Sammlung an Broschen, die sie für „Kommunikation durch die Anstecknadel“ nützte: Goldene Schlangen, Silberne Friedenstauben oder Wespen mit Diamanten sollten dem Gegenüber Botschaften senden – zu Abrüstungsgesprächen mit Russland kam sie einst mit einer Marschflugkörper-Brosche. „Read my Pins“ heißt das Buch dazu, ein Bestseller wie ihre anderen Bücher.
Madeleine Albright, die 23 Jahre mit dem Journalisten Josef Albright verheiratet war und drei Töchter hat, war immer auch eine Vorkämpferin für mehr Frauen in Führungsfunktionen und für eine Politik, die Beruf und Familie vereinbar macht. Schon zu UNO-Zeiten gründete sie Frauen-Netzwerke, sie unterstützte Hillary Clinton und besuchte die birmesische Regimekritikerin Aung Saan Su Kyi. Albright: „Ich arbeite dafür, dass eine Generation älterer Frauen mit erhobenem Haupt geht und eine Generation junger Frauen sich furchtlos einmischt.“ Albright hat eine Politik-Professur an der Georgetown Universität, leitet eine Strategieberatungsfirma und wird immer wieder um Sondermissionen gebeten. So vertrat sie den gewählten Präsidenten Obama bei einer Welt-Finanzkonferenz in Washington 2008. In ihren Vorträgen spricht sie eindrucksvoll und humorvoll über geostrategische Fragen, Konfliktmanagement, Regime Change, globale Ökonomie, große historische Entwicklungen und das Leben „inside White House“.

Themengebiete

Politik, Wirtschaft

Sprachen

Englisch

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